TL6T

Die TL6T ist eine weitere Baureihe der „kleinen“ Ape mit 50-cm³-Motor. Sie wurde etwa von 1989 bis etwa Sommer 1995 gebaut, wobei der Motor nach wie vor mit 2-Takt-Gemisch 1:50 betankt wird. Getrennte Tanks gab es noch nicht!

Die TL6T ist eine „faro superiore“ – es ist nämlich nach wie vor nur einer, der sitzt oben an der Karosserie. Sozusagen ein Zyklop.

Ist ja klar: Eine TL5T muss natürlich nach der TL4T produziert sein. Stimmt. Aber genau dazwischen kam die TL6T. Hä? Wie jetzt? Genau: Erst gab es eine TL4T, deren Nachfolger war die TL6T. Klingt bescheuert? Ist es auch!

„Hey, Luigi haben wir nicht da vergessen die Fünf? Was ist mit Cinque?“
– „Weißt du, Mario: Is’t‘ nicht schlimm. Machen wir TL5T jetzt hinterher! Merkt keiner!“



Doch, merken wir. Wer hat sich das nur ausgedacht? Vermutlich ein Italiener.

Die Piaggio Ape 50 TL6T stellt eine wichtige Entwicklungsstufe der Ape dar, denn mit ihr wurde die Ape modern. Es gab jetzt etwas ganz einen Hauch von High-Tech: Halbleiter-Elektronik! Wie im Computer!


Zumindest gab es jetzt eine Transistorzündung und damit fiel der Ärger mit den Zündunterbrecherkontakten weg. Unser neuer Freund, das Elektron, kam nun Heerscharen zur Hilfe aus einer 12-V-Batterie (statt früher 6 V) und ein elektrischer Starter wurde jetzt serienmäßig!

Die TL6T gab es wie gehabt mit kurzer Pritsche 1,2 × 1,2 m oder als lange Pritsche in 1,2 m × 1,4 m. Die kurze gab es auch überbaut mit einem Dach als „Kasten“.

Nicht alle TL6T sind gleich. Im Vergleich zu den direkten Vorgängern wie TL3T oder TL4T zeigt die TL6T mehrere Verbesserungen, die teilweise mitten in der Produktion eingeführt wurden. Frühe TL6T übernahmen noch Teile der älteren Modelle, wie z. B. den runden (oder gar keinen) Tacho. Ja, ein Tacho war noch Sonderausstattung in der TL6T! Die ersten TL6T hatten noch die alte, einfache Lenkerverkleidung der Vorgänger.

Spätere TL6T ab ca. 1990/91 bekamen dann ein moderneres Cockpit mit eckigem Tacho serienmäßig.

Auch wurden mittendrin im Lauf der TL6T die Türen geändert, insbesondere die Fensterausschnitte. Die neueren TL6T haben eine schräge Fenster-Unterkante und sozusagen einen nach vorn gesetzten „Hofmeister-Knick

Was macht eine TL6T heute bei Liebhabern interessant? Sie bietet klassischen Charme mit bereits brauchbarer Technik, ohne die starke Technisierung späterer Modelle.

Pentaro

Die Pentaro war ein Ape-Sattelzug. Piaggio hatte wohl Ende der 50er die Idee, dass eine Ape für die wachsenden Transportaufgaben doch ein wenig klein ist. Ein Lastwagen? Passt durch eine historische italienische Altstadt nicht durch. Überhaupt: Etwas Neues zu entwickeln ist ganz schön teuer. Also lag die Idee nahe: vorn die Ape, hinten einen Auflieger dran – Problem behoben – ab in die Pizzeria!

Ab 1960 wurden die Fünfräder dann wirklich gebaut und genau der Umstand lieferte auch den Produktnamen: Es hat halt nicht drei, sondern „penta“ von den Ruota (=Räder). Mit dem Anbau wird aus der niedlichen, weiblichen Ape dann auch gleich ein Männchen, denn es heißt „der Pentaro“ und nicht etwa „die Pentaro“. Warum? Ich weiß es nicht.

Insgesamt haben sie in Pontedera dann von 1960 bis 1968 vermutlich um die 3800 Fahrzeuge gebaut und dafür rund 19.000 Räder verbraucht – aber nur 3800 Lampen. Die Zugfahrzeuge haben auch den Modellwechsel mitgemacht, so dass es Pentaros sowohl mit Lampe oben als auch mit Lampe unten gibt – aber immer nur mit einer. Mit Auflieger hießen die Modelle dann erst APA1T und später APC2T.

Den Auflieger gab es wohl auch in zwei Ausführungen: als offene Pritsche und als geschlossenen Kasten. Im offiziellen Piaggio-Museum in Pontedera steht ein Pentaro als wortwörtlicher „Feuerwehr-Zug“.

Heute gibt es nur noch wenige Pentaros und noch viel weniger hintere Bremszylinder – oder andere Ersatzteile, die spezifisch für die Pentaro sind. Entsprechend hoch sind die Preise und ein Pentaro wohl gleichzeitig die teuerste Art überhaupt, eine Ape zu fahren.

Faro Basso

Italienisch für „Lampe unten“. Bei frühen Modellen der Vespa war die Frontlampe auf dem Kotflügel des Vorderrades angeschraubt. Durch die eher kleinen Räder der Vespa war „il Faro“ – der Scheinwerfer – also ziemlich weit „basso“ – also unten – angebracht.

Da die erste Ape im Prinzip eine Vespa mit einer breiten Hinterachse mit zwei Rädern und einer Holzpritsche darüber war, hatte diese natürlich auch den einzelnen, niedrigen Scheinwerfer.

Auch später gebaute Ape-Modelle mit Fahrergehäuse gehören zu den „Faro Basso“, solange der Scheinwerfer unten am Kotflügel angebracht war.

Eine Ape 50 aus den späten 80er Jahren ist also keine „Faro Basso“ – auch wenn sie nur einen Scheinwerfer hat. Dieser sitzt aber in der Karosserie (also „oben“) und nicht am Kotflügel „unten“.

Vorteil des untenliegenden Scheinwerfers war sicherlich, dass dieser in die Kurve hineinleuchtet. Die Minimalversion des Kurvenlichts also. Das macht den Lichtschein aber auch sehr nervös. Macht nichts, war ja sowieso nicht viel. Die ersten Ape-Modelle hatten noch eine 6-V-Elektrik!