AI, AI, AI – was ist denn das?

Seit einiger Zeit überschwemmt die aufstrebende künstliche Intelligenz uns und das Internet mit jeder Menge Schwachsinn. Besonders die Werbeflächen rund um alle möglichen Webseiten sind voll mit KI-generierten Werbebildern, die alle genau eine Sache gemeinsam zu haben scheinen: An das „Künstliche“ mag man gern glauben, aber an der „Intelligenz“ mag man zweifeln.

Da ist der Müllwagen, der einen ganzen Haufen Solarmodule abfährt, die alle wie durch Geisterhand von allen Seiten auf dem LKW kleben, ohne herunterzufallen. Die Solarbranche scheint besonders verliebt in schlechte Automatik-Werbebildchen zu sein: Der Haufen aus Solarmodulen mitten auf der Kreuzung in der Großstadt? Klar, dort wird immer der Müll hingekippt. Der Solar-Monteur, der Module im Dachboden auf dem Boden gefühlvoll zusammensetzt (um gleich festzustellen, dass sie in der Gänze nicht durchs Dachfenster nach draußen passen?

Haben wir alles schon gesehen. Tankwagen mit Heizöl, auf denen in großen Lettern „Heizöl“ steht? Klar. Wärmepumpen mit Rohren, die willkürlich aus dem Gerät heraus und herein führen – was tun die eigentlich?

Doch eine Ape, die habe ich bisher noch nie gesehen. Bis gestern! Die Ape 50 ist wirklich unglaublich original getroffen, aber die Szene wirft Fragen auf: Wer kennt sie nicht, die allgegenwärtige Rettungswagen-Ape mit Zweitakt-Motor? Knapp über Schrittgeschwindigkeit bringt sie hilfsbedürftigen Patienten zuverlässig ins Krankenhaus, nachdem sie vom brachialen Pfleger zweimal zusammengefaltet wurden, damit sie in den Aufbau passen!

Oder wird der Patient vielleicht doch lang liegend bis vorn durchgeladen? Ich habe mal so ähnliche Konzepte als 50er-Wohnmobil gesehen! Aber die meisten Wohnmobile werden nach hinten ausgezogen. Vielleicht ist das hier auch so, und die Beine vom Patienten gucken einfach hinten raus? Das würde erklären, warum die Hecktüren vom Aufbau nicht bis zur Ladekante hinunterreichen. Aber Achtung: Ragt das Bein mehr als einen Meter raus, muss nach StVO ein rotes Fähnchen an die große Zehe geknotet werden!

Aber wo sitzt dann der Fahrer? Und das zweite Besatzungsmitglied? Sitzt der mit vorn (das wird echt kuschelig, da kenne ich echt nur Laura und Louis von YouTube, die es länger zu zweit vorn in der Ape aushalten). Vielleicht sitzt der Pfleger aber auch einfach oben auf dem Dach.

Einen Ape-Krankenwagen gibt es übrigens auch ganz real. Dabei meine ich nicht etwa einen weiteren Aprilscherz des Roten Kreuzes (wobei die 50er-Ape wohl wirklich gibt, nur nicht als Rettungsfahrzeug)

Nein, es gehtum eine Ape mit „richtigem“ Rettungsaufbau. Wobei auch dieses kein echtes Einsatzfahrzeug ist, sondern eher eine Art Konzeptdemonstrator auf Basis eines größeren Apecar:

https://bos-fahrzeuge.info/einsatzfahrzeuge/217/Vespa_Vespacar_-_WAS_-_RTW/photo/217

Bei der Recherche ist mir dann aber noch etwas aufgefallen: Nicht nur, dass der Ort sich mit der IP-Adresse des Providers ändert – nein, es scheint auch einen ganzen Haufen verschiedener Einsatz-APIs zu geben. Allen gemein ist, dass sie mitten in der Stadt auf einer Straße aus Kopfsteinpflaster stehen und es immer zwei männliche Einsatzkräfte sind. Ich bekomme langsam einen Eindruck, wie der Prompt für diese Bilder gelautet haben muss.

Was lernen wir noch? KI kann ziemlich gut API malen – aber nur 50er. Vergleichen wir die verschiedenen Modelle doch einmal:

Die orange Ape ist die Minimalausstattung: Ohne Fenster wird es ganz schön düster für den Patienten. Es ist die einzige Bauart mit Heckklappe.

Die gelbe Variante ist schon deutlich weiterentwickelt: Es gibt noch nur einen Medizinschrank im Innenraum und sogar Klapptüren, die bis zum Boden reichen, auch die Blaulichtanlage steht großen Rettungswagen in nichts nach. A propos „groß“: Die gelbe Ape 50 steht gut im Futter und dürfte so etwas wie die Deutsche Dogge unter den Dackeln darstellen vom Format her.

TL6T

Die TL6T ist eine weitere Baureihe der „kleinen“ Ape mit 50-cm³-Motor. Sie wurde etwa von 1989 bis etwa Sommer 1995 gebaut, wobei der Motor nach wie vor mit 2-Takt-Gemisch 1:50 betankt wird. Getrennte Tanks gab es noch nicht!

Die TL6T ist eine „faro superiore“ – es ist nämlich nach wie vor nur einer, der sitzt oben an der Karosserie. Sozusagen ein Zyklop.

Ist ja klar: Eine TL5T muss natürlich nach der TL4T produziert sein. Stimmt. Aber genau dazwischen kam die TL6T. Hä? Wie jetzt? Genau: Erst gab es eine TL4T, deren Nachfolger war die TL6T. Klingt bescheuert? Ist es auch!

„Hey, Luigi haben wir nicht da vergessen die Fünf? Was ist mit Cinque?“
– „Weißt du, Mario: Is’t‘ nicht schlimm. Machen wir TL5T jetzt hinterher! Merkt keiner!“

Doch, merken wir. Wer hat sich das nur ausgedacht? Vermutlich ein Italiener, der wirkliche Name ist unbekannt und die Unterhaltung so erfunden. Aber es hätte so gewesen sein können.

Die Piaggio Ape 50 TL6T stellt eine wichtige Entwicklungsstufe der Ape dar, denn mit ihr wurde die Ape modern. Es gab jetzt etwas ganz einen Hauch von High-Tech: Halbleiter-Elektronik! Wie im Computer!


Zumindest gab es jetzt eine Transistorzündung und damit fiel der Ärger mit den Zündunterbrecherkontakten weg. Unser neuer Freund, das Elektron, kam nun in Heerscharen zur Hilfe aus einer 12-V-Batterie (statt früher 6 V) und ein elektrischer Starter wurde jetzt serienmäßig!

Die TL6T gab es wie gehabt mit kurzer Pritsche (1,2 × 1,2 m) oder als lange Pritsche in 1,2 m × 1,4 m. Die kurze gab es auch überbaut mit einem Dach als „Kasten“.

Nicht alle TL6T sind gleich. Im Vergleich zu den direkten Vorgängern wie TL3T oder TL4T zeigt die TL6T mehrere Verbesserungen, die teilweise mitten in der Produktion eingeführt wurden. Frühe TL6T übernahmen noch Teile der älteren Modelle, wie z. B. den runden (oder gar keinen) Tacho. Ja, ein Tacho war noch Sonderausstattung in der TL6T! Die ersten TL6T hatten noch die alte, einfache Lenkerverkleidung der Vorgänger.

Spätere TL6T ab ca. 1990/91 bekamen dann ein moderneres Cockpit mit eckigem Tacho serienmäßig.

Auch wurden mittendrin im Lauf der TL6T die Türen geändert, insbesondere die Fensterausschnitte. Die neueren TL6T haben eine schräge Fenster-Unterkante und sozusagen einen nach vorn gesetzten „Hofmeister-Knick„.

Was macht eine TL6T heute bei Liebhabern interessant? Sie bietet klassischen Charme mit bereits brauchbarer Technik, ohne die starke Technisierung späterer Modelle.

Ein Meister seines Faches

In Bremerhaven waren wir mit dem Fahrrad und nicht mit der Calessino unterwegs. Aber kaum hatten wir an der Weser einen der seltenen Webcam-Caches gemacht, kamen wir ein Stück weiter die Weser hinunter an dieser neueren Ape 50 ZAPC81 vorbei. Sie dient wohl dem Transport von Dingen zum Schiff, das hier scheinbar dauerhaft vertäut liegt.

Aber sieh selbst: Was für ein Meister der Kunst des Einparkens war hier am Werk? Es passen gerade zwei Finger zwischen die Vorderkante des Kotflügels und die Reling. Nein, diese Kante kann man vom Fahrersitz aus unmöglich einsehen! Nur eine Brettbreite bleibt hinten, um nicht mit dem Heck in den Uferweg zu ragen! Das ist eine Heldentat. Es wirkt, als wäre nicht diese Ape in diese Nische eingeparkt, sondern dieser Standplatz für genau diese Ape gebaut worden!

Münchener Arbeitsbienchen

In mattem Schwarz gerollt, so steht sie da: Eine ältere 50er TL4T oder frühe TL6T steht in einer Seitenstraße der Milbertshofener Straße in München. Ich entdecke sie morgens auf dem Weg vom Hotel zu meiner Arbeit. Sie sieht aus wie eine echte Arbeitsbiene: Über 30 Jahre blickt sie mit ihrem einsamen Scheinwerfer in die Welt und wurde nicht geschont. Eine Pritsche mit Gitter und etwas Ladung, die Kunststoffkotflügel ausgeblichen. Bisher hatte ich in München nur eine Werbe-Ape im Olympiapark gesehen, dieses Exemplar hat dagegen auch wirklich ein paar Meilen Straße gesehen.

Stärker könnte der Kontrast in der deutschen Stadt mit den höchsten Einkommen und den höchsten Quadratmeterpreisen nicht sein: Nur 10 min früher und einen Kilometer entfernt war ich erst an einem Schaufenster vorbeigelaufen, in dem ein Bugatti Veyron zum Verkauf angeboten wurde.

Oh, CentrO!

Vor Weihnachten wollten wir mit der RUHR.TOPCARD nach Oberhausen ins Spaßbad. Nein, nicht mit der Calessino – es regnet gefühlt seit Wochen und Oberhausen ist einmal durch das ganze Ruhrgebiet – da wäre man einen ganzen Tag mit Fahren beschäftigt. Außer man nähme die Autobahn, was – also hypothetisch und rein rechtlich – mit dem Calessino 200 erlaubt wäre!

Mit dem Auto also erst mal zum CentrO in den LEGO-Laden und dann etwas im Food Court essen, bevor es ins Schwimmbad geht. Wir haben uns extra einen Montagvormittag ausgesucht und es war trotz Vorweihnachtszeit fast nichts los. Perfekt.

Nichts los galt dann auch für diese schöne Ape. Sieht toll aus, war aber geschlossen. Kein „Americano“ heute. Ich frage mich, wovon die Weißwandreifen so dreckig geworden sind – vom Fahren kann es nicht sein. Viel kann sie noch nicht erlebt haben, was mit Straßenverkehr zu tun hat. Es ist eine ZAPC81 und damit quasi neu.

Die Scheinwerfermaske wurde lackiert, der Kotflügel auch – wie die ganze Ape in weinroter Sonderlackierung. Dazu Chromspiegel, Kantenschutz in Chrom, doppelte Dachgepäckträger, maßgefertigter Aufbau – hier hat jemand viel Liebe zum Detail und Geld hineingesteckt. Nur, dass sie leider nicht fahren darf. Keine „Garage Queen“, sondern eine Verkaufs-Immobilie. Irgendwie schade.

Ape-Unter im Büsumer Hafen

Einen Tag in Büsum – und ich hätte nicht gedacht, hier auf eine Ape zu stoßen. Erst recht nicht auf einen ganzen Haufen.

Zunächst waren wir nach von ans Meer zum Büsumer Leuchtturm. Mann, was war das ein Wind hier, der die Gischt vom Meer herüberbläst! Auf dem Deich konnte man nicht gerade stehen. Dazu war ich froh, dass es gerade einmal nicht regnete!

Eine weiße Ape 50 ZAPC81 trägt Werbung für ein Geschäft am „Lighthouse“-Hotel.

Um die Ecke steht in einer Mauernische der Landseite des „Lighthouse“-Hotelkomplexes eine Ape 50. Es ist eine ZAPC81, das neueste Modell und damit keinesfalls älter als 5 Jahre. Aber schaurig anzusehen, wie sie schon rostet! Das ist wohl der Tribut an die salzige, gesunde Meerluft! Abnutzung kann es wohl nicht sein, denn ein Blick auf den Tacho verrät, dass diese Ape nie in den Genuss kam, die langen Geraden der norddeutschen Tiefeebene zu befahren. Wie sagt man in Friesland noch so schön: Da kannst Du morgens schon sehen, ob einer nachmittags mit seiner Ape zu Besuch kommt. Dieses Bienchen hat nur ganze 31 km auf dem Zähler.

Nur 31 km, weiter hat diese arme Ape es noch nicht geschafft. Es ist eine echte Werbe-Queen. Sozusagen eine Immobilie.

Nun steht sie sich hier mit Ihren Weißwandreifen platt, und nur der Besitzer weiß wohl, warum sie nur einen davon bekommen hat. Auf der Hinterachse muss weiterhin ein Schwarzfuß sein Die Unschuldige im weißen Gewand trägt wie zum Beweis ihrer Jungfräulichkeit noch alle Angstnoppen auf ihrem Pneu.

Der einzige Weißwand-Reifen ist vorn montiert. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er trotz nicht-Benutzung noch Luft enthält, noch über alle Gummi-Noppen der Fertigung verfügt und ansonsten in der gesamten Umgebung das einzige Bauteil ohne Rostbefall ist.

In der Hafenstraße entdecke ich dann eine weitere Ape! Sie ist kaum zu übersehen: In Feuerwehr-Rot mit gelben Warnstreifen. Und wieder ist es eine neue ZAPC81. Man könnte meinen, es sei eine Feuerwehr-Ape. Ja, sowas gibt es wirklich, zum Beispiel in Königswinter. Aber bei genauerem Hinsehen steht „FeWoWehr“ drauf und es ist doch nur eine Werbe-Ape wie so viele andere 50er auch. Nur hat sie ein echtes Blaulicht mit einem Reflektor und Lampe. Wie der Eigentümer das wohl genehmigt bekommen hat? Vermutlich gar nicht – und das liegt daran, dass eine Ape 50 ja keiner Pflicht zur Hauptuntersuchung unterliegt.

In der Hafenstraße steht eine „Fewowehr“-Ape.

Kurz bevor wir Büsum verlassen, schauen wir noch im Hafen vorbei. Ich möchte ein Bild vom Kutter „Hauke“ machen, der dort am Kai liegt. Und was sehe ich? Da ist ja noch eine von den roten Api, die gern bei der Feuerwehr sein würden. Oder ist es die selbe von eben? Dann wäre sie schnell gefahren und eigentlich hätte ich sie auch hören müssen. Außerdem scheint sie allgemein nicht viel zu fahren, denn auch bei Google Street View steht sie schon an diesem Platz:

Bei Google Street View auch zu sehen: Die Fewowehr-Ape. Quelle: Google Street View.

Lange habe ich nachgedacht, ob es die selbe Ape ist oder ob es zwei oder mehr von dieser Sorte gibt. Das Nummernschild habe ich nicht fotografiert und daher habe ich immer mehr gezweifelt. Wenn es zwei Api wären, dann müsste man doch einen Unterschied finden können: Luigi und Andrea in Pontedera bauen ganz bestimmt nie zwei Api auf exakt gleiche Weise zusammen, das kann nicht sein. Denn das wäre Qualität: Eine wie die andere

„Am Fischereihafen“ findet man Plötzlich einen Doppelgänger der „Fewowehr“-Ape.

Aber doch finde ich lange keinen Unterschied – bis auf die andere Spiegel-Stellung. Aber das kann passieren, wenn man daran hängen bleibt. Selbst der Reflektor des Blaulichts ist in der gleichen Position stehen geblieben. Sie gleichen sich wirklich von der Schraube bis zum Aufkleber.

Aber doch sind es zwei. Wer findet den Unterschied?

Italienische Verhältnisse in Belgien

Das „Amuni“ ist ein kleines italienisches Restaurant, ziemlich zentral gelegen am äußersten Zipfel des wunderschönen Platzes „De Burg“ in Brügge. Über die Qualitäten des Restaurants kann ich nichts sagen, ich bin nur aufmerksam geworden, weil diese schöne 50er davorstand. Genau das scheint ja auch die Aufgabe dieser Ape zu sein. Es müsste eine Ape 50 TL4T aus der ersten Hälfte der 90er Jahre sein – denn sie hat nur einen Scheinwerfer, ein flaches Dach und die einteiligen Seitenscheiben. Die Farbgebung passt gut zur Italienerin, oder?

Mit ihrer vorderen linken Ecke muss sie mal „was erlebt“ haben. „Was erleben“ kann man als Tourist hier sicher auch – obwohl es ein trüber Tag ohne riesigen Touristenandrang war, liefen da ein paar scheinbar ziellose Typen auf dem Platz herum, die offensichtlich auf Touristen warteten. Zu beobachten, wie einer eine einzelne Person ansprach, sich eben unauffällig umschaute nach dem Straßenschild, um dann zu fragen, ob die Touristin ihm wohl sagen könnte, wie man zu genau diesem Ort kommen könnte – nicht verboten, aber „sketchy“. Definitiv DEFCON 3, denn es ist ein guter Grund für eine Frau, ihre Handtasche zu öffnen und das Handy herauszuholen. Praktisch, dass der Mensch ein Fahrrad dabei hatte, oder?

Also: Geht hin nach Brügge – es ist eine wunderschöne Stadt. Passt nur auf, dass Euch niemand folgt …

Schöne, und gut erhaltenen 50er aus den 90er-Jahren. Kampfspuren zeugen davon, dass es wohl keine „Bordstein-Queen“ zur Werbung allein ist.

Die traurige, schwarze Ape

Der letzte und der erste Tag des Jahres sind traditionell Geocaching-Tage. Wir waren dazu im Norden von Dortmund unterwegs. Auf dem Weg fällt mir ein, dass wir noch keine Berliner haben – und durch Zufall kommen wir gerade an einer Bäckerei vorbei. Und davor steht eine kleine, schwarze Ape 50 ZAPC mit den alten Pressglas-Lampen.

Kurz bevor die Bäckerei die Türen schließt, bekomme ich noch das letzte Paar Berliner. Das macht mich froh – aber als ich mit der Beute aus der Tür komme, macht mich die Ape wieder ein Stück traurig – beim Blick auf den Tacho: Sie hat knapp 71 km darauf stehen!

Wie so viele Ihrer Leidensgenossinnen hat sie jemand gekauft, ihr ein Nummernschild montiert und sie irgendwo in der Stadt aufgestellt. Vielleicht hat sie alle paar Wochen mal den Standort gewechselt. Vielleicht auch noch nicht einmal das.

Still steht sie da, nur die Sturmböen zerren am Plakat, das man ihr aufgezwungen hat. Nichts, was sonst Ihre Federn bewegt. Sie ist nun schon mindestens 4 Jahre alt, vermutlich deutlich mehr: Das Plastik Ihrer Kotflügel ist ausgebleicht, ihre Reifen werden hart und porös, noch bevor sie sich abnutzen.

In Pontedera hat man Ihr drei Räder und einen Motor gegeben, auf dass Sie durch die Welt knattern und dienlich sein möge. Wäre der Wind nicht so stark, könnte man sie vielleicht leise rufen hören: „Fahr mit mir!“ Tank mich mit frischem Sprit und ich fahre Dich hin, wo immer Du hin willst. „Zeige mir die Stadt da draußen – oder die Welt, falls Du zufällig sehr viel Zeit und Geduld hast.„

Jawohl, diese Ape ist Verschwendung! An Geld, an Material, an Platz und an Zeit. Diese Ape ist ein Verrat an der Idee des minimalistischen Individualverkehrs!

Man hätte sie durch eine Plakatwand ersetzen und stattdessen einen mobilitätsbedürftigen Menschen mit einer Ape glücklich machen können!

Da steht sie nun und wackelt im Wind.

Die kleine, weiße Ape am Baumarkt

Heute war ich im Baumarkt. Mal nicht mit der Ape, sondern mit meinem französischen Kleinfahrzeug. Draußen sind die Straßen feucht und es wurde bereits Salz gestreut. Nein, da fahre ich die Calessino nicht, wenn es nicht notwendig ist.

Als ich wieder herauskam, sah ich eine Ape. Eine kleine, weiße 50er. Es wird gerade irgendetwas eingeladen. Ich gehe einmal halb herum, schaue: noch die alten Pressglas-Scheinwerfer, aber zwei Stück. Also eine ZAPC vor dem Facelift auf Euro 4 und damit vor dem Baujahr 2018.

„Na, jetzt noch mit der Ape unterwegs, es ist ja schon gestreut“, fange ich ein Gespräch an.

„Keine Sorge, da habe ich ordentlich vorgesorgt“, bekomme ich eine spontane Antwort und erfahre auch, womit und wie vorgesorgt wurde. Und dann entspinnt sich ein Gespräch über neuralgische Stellen der 50er, den Einsatz der Ape zum Transport, Vorbeugung von Rost.

Es stellt sich heraus, dass mein Gegenüber noch eine zweite 50er im Haushalt hat, eine ZAPC E4. Und kaum gesagt, fällt mir auf, dass ich beide Api schon mal in einem Hauseingang gesehen habe und mich gefragt habe: Wenn einer zwei solcher Gefährte hat, dann ist es bestimmt ein Fan.

Ja, ich erfahre neue Dinge über meine Ape: Nämlich, dass die ZAPC E4 andere Bremstrommeln hat als die ältere ZAPC. Nämlich die gleichen, die auch unser Calessino 200 trägt. Und ob ich auch Probleme mit ungleichmäßigem Bremsen hätte? Ja, habe ich! Und jetzt weiß ich auch, warum: Es gibt wohl eine Serie von Bremstrommeln, die nicht wirklich rund sind. Man müsste die Trommeln neu ausdrehen lassen.

Nun, ob ich das machen möchte, weiß ich noch nicht. So schlimm finde ich es nicht. Aber immerhin ist es gut zu wissen, was genau da nicht stimmt. So macht es mich nicht mehr nervös. Wissen ist Macht!

Ob ich die Ape-Schrauber bei YouTube kenne? Klar.

Ob ich auch in einem Ape-Forum bin? Klar.

Ich bekomme noch eine Empfehlung für die Hauptuntersuchung von Fahrzeugen (wovon die 50er-Ape ja nicht betroffen ist).

Was ist das Resümee für mich aus dieser Begegnung? Nun, es sind mehrere:

  1. Die Gruppe der Ape-Fahrer ist klein. So klein, dass man sich schnell kennt und fast alle sich auf den gleichen Internet-Medien tummeln.
  2. Die Gruppe der Ape-Fahrer scheint eine Gemeinschaft netter und hilfsbereiter Menschen zu sein.
  3. Alle Ape-Fahrer haben irgendwie Angst vor Rost und Streusalz!

Und wer sich jetzt noch fragt, wie das mit den ganzen Modellen der Ape ist – für den haben die oben erwähnten Ape-Schrauber eine ganz anschauliche, aber unübersichtliche Aufstellung vorbereitet.. Am unübersichtlichen Teil ist allerdings Piaggio selbst schuld! Doch seht selbst:

Steuerungeheuer

Es ist ein Jahr herum mit unserer dunkelblauen Ape! Man merkt es daran, dass plötzlich Geld vom Konto abgebucht wird: Steuer und Versicherung sind fällig!

Die Frage ist: Was kostet der Betrieb eines Calessino 200? Oder eher anders gefragt: Was kostet der Nichtbetrieb – die Fixkosten? Also die reinen Kosten des Besitzes.

Die Steuern sind festgesetzt mit 42 € – kein Verhandlungsspielraum. Ich finde das verhältnismäßig viel. Es sind immerhin 21 €/100 ccm. Man muss bedenken, dass die Calessino 200 sogar Euro 4 klassifiziert ist!

Im Vergleich dazu kostet unser Renault Clio 3 gerade einmal 62 € im Jahr. Das ist nur etwa die Hälfte mehr. Dafür hat man aber ein „richtiges“ Auto für bis zu fünf Personen. Das Auto belastet die Straßen im Vergleich zur Ape mit vier Rädern und einem etwa dreifachen Gewicht und der doppelten Verkehrsfläche. Es hat fast den sechsfachen Hubraum und die siebeinhalbfache Leistung!

Aber warum ist die Ape relativ gesehen so teuer im Vergleich zu einem Auto? Man könnte meinen, dass es am CO₂-Anteil liegen könnte, der seit der Steuerreform 2009 in die Berechnung der Kfz-Steuer eingeht. Aber technisch gesehen hängt die CO₂-Emission direkt am Treibstoffverbrauch (und der Treibstoffsorte). Renault Clio und Ape Calessino verbrennen den gleichen Super-Kraftstoff. Und während der Clio bei uns im mehrjährigen Mittel 6,15 l/100 km verbraucht, begnügt sich die Calessino mit 4,20 l/100 km. Klarer Vorteil für die Ape, sollte man meinen …

Also ist es vielleicht doch wegen der Emissionsklasse? Das kann eigentlich nicht sein, denn beide Fahrzeuge gehören in die Euro 4. Schließlich soll die Besteuerung von dreirädrigen Kraftfahrzeugen ja schließlich nach Hubraum „und Schadstoffemissionen“ bemessen. Das steht ja so im Kraftfahrzeugsteuergesetz:

Die Steuer bemisst sich

[…]

1b. bei dreirädrigen und leichten vierrädrigen Kraftfahrzeugen mit Hubkolbenmotoren, die unter den Anwendungsbereich der Richtlinie 97/24/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Juni 1997 über bestimmte Bauteile und Merkmale von zweirädrigen oder dreirädrigen Kraftfahrzeugen (ABl. L 226 vom 18.8.1997, S. 1, L 65 vom 5.3.1998, S. 35, L 244 vom 3.9.1998, S. 20, L 67 vom 11.3.2008, S. 22), die zuletzt durch die Richtlinie 2009/108/EG der Kommission vom 17. August 2009 (ABl. L 213 vom 18.8.2009, S. 10) geändert worden ist, in der jeweils geltenden Fassung fallen, nach dem Hubraum und den Schadstoffemissionen

Kraftfahrzeugsteuergesetz / § 8 Bemessungsgrundlage

Und hier ist jetzt der Trick: Es sollte eigentlich so sein, wird aber nicht so gemacht! Da der Staat leider kein Herz für kleine, knatternde Apes hat, unterschlägt er ganz einfach und schnell unseren ungeregelten Katalysator in der Ape, Ihre elektronische Einspritzung und damit Ihre „ uro-4“-Einstufung. Noch mehr: Er unterschlägt sogar noch mehr den geringen Kraftstoffverbrauch und damit die geringe CO₂-Belastung. Denn egal, welches Dreirad man fährt: Man bezahlt einfach immer den Maximalbetrag von 21 €/100 ccm! Ja, genau: Die qualmende und stinkende Ape MP mit dem Zweitakter ist hier gleichgestellt und bezahlt das Gleiche! Und das nur, weil unsere Staatslenker nach dem Abschnitt 1a Mittagspause hatten und daher vergessen haben, sich zu überlegen, wie sie den festgelegten Einfluss der Schadstoffemissionen denn nun handhaben wollten.

Schade und ein wenig ärgerlich, finde ich. Denn das ist doch das falsche Zeichen in dieser Zeit, kleine, leichte und emissionsarme Fahrzeuge zu benachteiligen. Der schwache Trost bleibt, dass es mit 42 € absolut gesehen ein geringer Schaden bleibt. Dazu das Glücksgefühl, dass man ja noch gut davongekommen sei, wo es andere Menschen doch viel schlimmer trifft. So wie den Fahrer eines Trikes, der nach der Steuerreform nun für ein und dasselbe Trike in der Euro 2 nicht mehr 117 €, sondern mit 337 € gleich fast das Dreifache an Steuern bezahlt!

Der Blick auf die Versicherung stimmt mich fröhlicher: Natürlich bin ich nach einem Jahr unfallfreien Fahrens auf drei Rädern in meiner Schadenfreiheitsklasse von 100 % auf 85 % gesunken. Damit fällt der Beitrag für die Versicherung in diesem Jahr mit 28,88 € unter die 30er-Marke, die ich letztes Jahr noch überschritten habe!

Und wieder tröstet das Leid der Anderen: Bei meiner Versicherung habe ich aus Spaß einmal nach dem Preis für ein Versicherungskennzeichen geschaut. Dort heißt es:

Leichte Quads und Trikes (z. B. Ape) mit einem Hubraum von maximal 50 ccm und einer Höchstgeschwindigkeit von maximal 45 km/h – schon ab 34 €* pro Jahr.

https://www.huk.de/fahrzeuge/kfz-versicherung/mopedversicherung.html

Da steht es nun schwarz auf weiß: Unsere Ape Calessino 200 hat zwar die dreifache „Kraft“ der Ape 50 und fährt immerhin schnell genug, dass man rein rechtlich damit auf die Autobahn darf – aber sie ist immer noch billiger zu versichern als die kleine Ape 50!

Alles in allem reden wir hier nicht von viel Geld: Die Fixkosten für unser Calessino liegen derzeit bei < 6 € pro Monat. Das ist uns den Spaß allemal wert!