Wasserträger

Im Radsport ist ein Wasserträger ein deutsches Wort für Domestique – ein stiller Diener, der nicht vorn im Rampenlicht steht, aber für seinen Kapitän und ein Team unverzichtbar ist. Jemand, der sich als Diener anderer aufopfert. Oft ist das jemand, der selbst in einem Rennen nicht erfolgreich sein könnte.
Trifft das nicht auf so ziemlich jede Ape zu? Ein Rennen wird man in einer Ape wohl kaum gewinnen, aber ein dienbarer Begleiter ist sie allemal.

Im „Irrland“ in Kevelaer-Twisteden habe ich nun ein Exemplar gefunden, welches im Wortsinn wie auch im übertragenen Sinn ein Wasserträger ist: Die primäre Aufgabe dieser Ape TM ist es, einen Rasensprenger zu halten!

Das Gefährt macht einen etwas verwahrlosten Eindruck. Ich bin mir nicht mal sicher, ob es überhaupt noch allein fahren kann oder ob es mit einem Traktor an seine Stelle gezogen wird. Hoffen wir das Beste und glauben, dass der Motor noch läuft und nur vorübergehend der Zündkerzenstecker abgezogen wurde, damit kein Parkbesucher auf die blöde Idee kommt, damit eine Runde zu drehen!

So wird sie jedenfalls nicht anspringen. Vielleicht ist das aber genau die Absicht.

Auf keinen Fall darf sie sich im Jahr 2025 mit dem schwarzen Nummernschild auf der Straße blicken lassen! Ob das Schild aber zwei, fünf oder 17 Jahre alt ist, das kann ich nicht genau sagen.

Fest steht: Diese TM hat schon ein gehöriges Alter aufzuweisen, denn warum sonst sollte man versuchen, Werbung zu machen mit der italienischen Aussage: „Dieses Fahrzeug hält die Schadstoffgrenzwerte Euro 1 ein.“ Die Emissionsklasse EURO 1 kam für leichte Lieferfahrzeuge erst im Oktober 1994 – und damit eineinviertel Jahre später als für Personenwagen. Es ist also davon auszugehen, dass diese Ape TM rund 30 Jahre alt sein muss.

Diese Ape erfüllt eine inzwischen völlig veraltete Abgasvorschrift.

Ihr Alter sieht man der TM an. Sie ist definitiv keine „Garage Queen“. Die Reste Ihres grünen Lackkleides tarnen Sie gut in den Hecken und Büschen des Parks. Der Schutz des Lacks schwindet. Ferrum wird so an vielen Ecken und Kanten zu Eisenoxid.

Die TM trägt Narben im Gesicht.

Und so zeigt diese TM auch eine bekannte neuralgische Stelle bei älteren APIs: die untere Fensterkante. Sie zeigt munteren Lochfraß von innen und außen, während sich rund um den Scheibenwischer Moose und Flechten die Ape als Lebensraum erobern.

Alpha et Omega: Von A we „Algen“ bis O wir „Oxid“.

Bleiben wir beim Scheibenwischer, da hat diese TM eine weitere Auffälligkeit. Vielleicht das „Ausschweifendste“ an dieser sonst eher unscheinbaren Ape:

Ich bin nicht ganz sicher, ob für den Scheibenwischer der Ape das richtige Modell ausgewählt wurden. Immerhin wurde mal gewischt, aber es wäre auch mal wieder nötig.

Legen wir den Mantel oder eine Staubschicht über dieses Exemplar einer arbeitsamen Biene. Weit ist sie in Ihrem Leben scheinbar nicht gekommen. Auch wenn die TM die schnellste aller Api sein sollte, so ist ein Tacho bis 80 km/h wohl nur der Ausdruck des italienischen Optimismus und die südländische Lebensfreude zeigt sich an der Tachonadel, die bereits beim rostneden Stillstand rund 3 km/h vor geht.

Ein besonders bemerkenswertes Exemplar für Liebhaber des morbiden Charmes habe ich im Irrland in Kevelaer gefunden.
Der Tache der TM hat selbst im Stillstand eine Voreilung!

Ape-Unter im Büsumer Hafen

Einen Tag in Büsum – und ich hätte nicht gedacht, hier auf eine Ape zu stoßen. Erst recht nicht auf einen ganzen Haufen.

Zunächst waren wir nach von ans Meer zum Büsumer Leuchtturm. Mann, was war das ein Wind hier, der die Gischt vom Meer herüberbläst! Auf dem Deich konnte man nicht gerade stehen. Dazu war ich froh, dass es gerade einmal nicht regnete!

Eine weiße Ape 50 ZAPC81 trägt Werbung für ein Geschäft am „Lighthouse“-Hotel.

Um die Ecke steht in einer Mauernische der Landseite des „Lighthouse“-Hotelkomplexes eine Ape 50. Es ist eine ZAPC81, das neueste Modell und damit keinesfalls älter als 5 Jahre. Aber schaurig anzusehen, wie sie schon rostet! Das ist wohl der Tribut an die salzige, gesunde Meerluft! Abnutzung kann es wohl nicht sein, denn ein Blick auf den Tacho verrät, dass diese Ape nie in den Genuss kam, die langen Geraden der norddeutschen Tiefeebene zu befahren. Wie sagt man in Friesland noch so schön: Da kannst Du morgens schon sehen, ob einer nachmittags mit seiner Ape zu Besuch kommt. Dieses Bienchen hat nur ganze 31 km auf dem Zähler.

Nur 31 km, weiter hat diese arme Ape es noch nicht geschafft. Es ist eine echte Werbe-Queen. Sozusagen eine Immobilie.

Nun steht sie sich hier mit Ihren Weißwandreifen platt, und nur der Besitzer weiß wohl, warum sie nur einen davon bekommen hat. Auf der Hinterachse muss weiterhin ein Schwarzfuß sein Die Unschuldige im weißen Gewand trägt wie zum Beweis ihrer Jungfräulichkeit noch alle Angstnoppen auf ihrem Pneu.

Der einzige Weißwand-Reifen ist vorn montiert. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er trotz nicht-Benutzung noch Luft enthält, noch über alle Gummi-Noppen der Fertigung verfügt und ansonsten in der gesamten Umgebung das einzige Bauteil ohne Rostbefall ist.

In der Hafenstraße entdecke ich dann eine weitere Ape! Sie ist kaum zu übersehen: In Feuerwehr-Rot mit gelben Warnstreifen. Und wieder ist es eine neue ZAPC81. Man könnte meinen, es sei eine Feuerwehr-Ape. Ja, sowas gibt es wirklich, zum Beispiel in Königswinter. Aber bei genauerem Hinsehen steht „FeWoWehr“ drauf und es ist doch nur eine Werbe-Ape wie so viele andere 50er auch. Nur hat sie ein echtes Blaulicht mit einem Reflektor und Lampe. Wie der Eigentümer das wohl genehmigt bekommen hat? Vermutlich gar nicht – und das liegt daran, dass eine Ape 50 ja keiner Pflicht zur Hauptuntersuchung unterliegt.

In der Hafenstraße steht eine „Fewowehr“-Ape.

Kurz bevor wir Büsum verlassen, schauen wir noch im Hafen vorbei. Ich möchte ein Bild vom Kutter „Hauke“ machen, der dort am Kai liegt. Und was sehe ich? Da ist ja noch eine von den roten Api, die gern bei der Feuerwehr sein würden. Oder ist es die selbe von eben? Dann wäre sie schnell gefahren und eigentlich hätte ich sie auch hören müssen. Außerdem scheint sie allgemein nicht viel zu fahren, denn auch bei Google Street View steht sie schon an diesem Platz:

Bei Google Street View auch zu sehen: Die Fewowehr-Ape. Quelle: Google Street View.

Lange habe ich nachgedacht, ob es die selbe Ape ist oder ob es zwei oder mehr von dieser Sorte gibt. Das Nummernschild habe ich nicht fotografiert und daher habe ich immer mehr gezweifelt. Wenn es zwei Api wären, dann müsste man doch einen Unterschied finden können: Luigi und Andrea in Pontedera bauen ganz bestimmt nie zwei Api auf exakt gleiche Weise zusammen, das kann nicht sein. Denn das wäre Qualität: Eine wie die andere

„Am Fischereihafen“ findet man Plötzlich einen Doppelgänger der „Fewowehr“-Ape.

Aber doch finde ich lange keinen Unterschied – bis auf die andere Spiegel-Stellung. Aber das kann passieren, wenn man daran hängen bleibt. Selbst der Reflektor des Blaulichts ist in der gleichen Position stehen geblieben. Sie gleichen sich wirklich von der Schraube bis zum Aufkleber.

Aber doch sind es zwei. Wer findet den Unterschied?

1000 km-Inspektion

Ja, nun hat sie bei uns schon 1000 km gelebt, unsere Ape. Beim nächstgelegenen Piaggio-Händler steht sie mit 1040 km auf dem Hof zur ersten planmäßigen Wartung. Diese ist aus zwei Kategorien von Gründen wichtig:

Aus technischer Sicht können so Frühausfälle erkannt werden – Herr Weibull lässt grüßen – und möglicherweise stille Rückrufe nach Auslieferung erledigt werden. Dabei traue ich Piaggio letzteres eher nicht zu, mit ersterem haben wir bereits die begrenzte Freude gehabt.Ja, nun hat sie bei uns schon 1000 km gelebt, unsere Ape. Beim nächstgelegenen Piaggio-Händler steht sie mit 1040 km auf dem Hof zur ersten planmäßigen Wartung. Diese ist aus zwei Kategorien von Gründen wichtig:

Aus technischer Sicht können so Frühausfälle erkannt werden c lässt grüßen – und möglicherweise stille Rückrufe nach Auslieferung erledigt werden. Dabei traue ich Piaggio letzteres eher nicht zu, mit ersterem haben wir bereits die begrenzte Freude gehabt.

Vor allem aber bekommt der Motor einmal neues Öl und aller Abrieb der Einlaufphase, der im Öl gebunden ist, kommt raus.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Erstinspektion wichtig, um die Fahrzeuggarantie von 2 Jahren aufrechtzuerhalten.

Aus diesem Grund steht die Ape ja nun auch bei einer Fachwerkstatt auf dem Hof. Die weiteren Inspektionen alle 5000 km beabsichtige ich dann selbst zu erledigen. Ist ja nicht sonderlich kompliziert, so eine Ape.

Was war denn nun auffällig oder kaputt in den ersten 1000 km? Hm – eigentlich nichts! Jedes Mal ist sie angesprungen, wenn sie sollte. Manchmal bei Kälte ein wenig zögerlich. Aber immer erfolgreich.

Die wenige Ausrüstung funktionierte ohne weitere Probleme.

Die Qualitätsmerkmale wie Spaltmaße, Lackqualität, Torsionsstabilität und Geräusche sind bei unserer Ape nicht besonders auffällig. Also unter Ihresgleichen – nicht vergleichbar mit „normalen“ Autos. Als Besonderheit wurde unsere Ape mit einer rostenden Ecke des Frontscheibenrahmens, einem nach oben schielenden linken Scheinwerfer und einem bis über das Dichtungsgummi der Frontscheibe fahrenden Scheibenwischer ausgeliefert. Dazu hängt eine der hinteren Türen schief und schließt nur, wenn sie dabei blauen Decklack abreiben darf.

Nach einem Tag Aufenthalt beim Wartungsservice bin ich um 249,55 € ärmer. Die Ape hat neues Öl, einen neuen Filter und alles wurde einmal nach Liste durchgeschaut. Die Garantie ist verlängert und der Motor einmal an die Diagnose angeschlossen.

Diese gab übrigens einen Fehlercode aus: P1651. Das sagt mir erst mal nichts. „Low Voltage MIL, GND-Kurzschluss, Leerlauf MEM“ sagt mir allerdings auch nicht viel mehr. Ist die Motorleuchte wegen geringer Batteriespannung angegangen? Ein Kurzschluss gegen Masse? Aber von was? Einen Leerlauf kann man ja wohl kaum kurzschließen? Den Leerlaufregler vielleicht? Aber hat der Motor so etwas überhaupt? Ich habe jetzt noch mehr Fragen als vorher. Die führende Eins gibt an, dass es ein Piaggio-eigener Code ist, also hilft auch kein Wissen aus einem OBD-2-Standard.

Was ich jetzt damit machen werde? Die Werkstatt hat den Fehler gelöscht. Da die Ape keine Uhr hat, weiß sie auch das Datum nicht und niemand weiß, wann der Fehler aufgetreten ist. Vielleicht war das ja auch schon in der Fertigung, als irgendein Stecker noch nicht gesteckt war? Man weiß es nicht. Ich werde einfach irgendwann mal mit meinem Diagnoseadapter wiederhören und schauen, ob er noch mal wieder auftaucht. Mehr erst einmal aber auch nicht.

Im Prinzip ist unsere Ape jetzt bereit für die nächsten 4000 km und immer noch ganz die Alte: Neben der Windschutzscheibe rostet es noch, der Scheinwerfer leuchtet den Himmel an und der Scheibenwerfer hängt schief nach unten.