AI, AI, AI – was ist denn das?

Seit einiger Zeit überschwemmt die aufstrebende künstliche Intelligenz uns und das Internet mit jeder Menge Schwachsinn. Besonders die Werbeflächen rund um alle möglichen Webseiten sind voll mit KI-generierten Werbebildern, die alle genau eine Sache gemeinsam zu haben scheinen: An das „Künstliche“ mag man gern glauben, aber an der „Intelligenz“ mag man zweifeln.

Da ist der Müllwagen, der einen ganzen Haufen Solarmodule abfährt, die alle wie durch Geisterhand von allen Seiten auf dem LKW kleben, ohne herunterzufallen. Die Solarbranche scheint besonders verliebt in schlechte Automatik-Werbebildchen zu sein: Der Haufen aus Solarmodulen mitten auf der Kreuzung in der Großstadt? Klar, dort wird immer der Müll hingekippt. Der Solar-Monteur, der Module im Dachboden auf dem Boden gefühlvoll zusammensetzt (um gleich festzustellen, dass sie in der Gänze nicht durchs Dachfenster nach draußen passen?

Haben wir alles schon gesehen. Tankwagen mit Heizöl, auf denen in großen Lettern „Heizöl“ steht? Klar. Wärmepumpen mit Rohren, die willkürlich aus dem Gerät heraus und herein führen – was tun die eigentlich?

Doch eine Ape, die habe ich bisher noch nie gesehen. Bis gestern! Die Ape 50 ist wirklich unglaublich original getroffen, aber die Szene wirft Fragen auf: Wer kennt sie nicht, die allgegenwärtige Rettungswagen-Ape mit Zweitakt-Motor? Knapp über Schrittgeschwindigkeit bringt sie hilfsbedürftigen Patienten zuverlässig ins Krankenhaus, nachdem sie vom brachialen Pfleger zweimal zusammengefaltet wurden, damit sie in den Aufbau passen!

Oder wird der Patient vielleicht doch lang liegend bis vorn durchgeladen? Ich habe mal so ähnliche Konzepte als 50er-Wohnmobil gesehen! Aber die meisten Wohnmobile werden nach hinten ausgezogen. Vielleicht ist das hier auch so, und die Beine vom Patienten gucken einfach hinten raus? Das würde erklären, warum die Hecktüren vom Aufbau nicht bis zur Ladekante hinunterreichen. Aber Achtung: Ragt das Bein mehr als einen Meter raus, muss nach StVO ein rotes Fähnchen an die große Zehe geknotet werden!

Aber wo sitzt dann der Fahrer? Und das zweite Besatzungsmitglied? Sitzt der mit vorn (das wird echt kuschelig, da kenne ich echt nur Laura und Louis von YouTube, die es länger zu zweit vorn in der Ape aushalten). Vielleicht sitzt der Pfleger aber auch einfach oben auf dem Dach.

Einen Ape-Krankenwagen gibt es übrigens auch ganz real. Dabei meine ich nicht etwa einen weiteren Aprilscherz des Roten Kreuzes (wobei die 50er-Ape wohl wirklich gibt, nur nicht als Rettungsfahrzeug)

Nein, es gehtum eine Ape mit „richtigem“ Rettungsaufbau. Wobei auch dieses kein echtes Einsatzfahrzeug ist, sondern eher eine Art Konzeptdemonstrator auf Basis eines größeren Apecar:

https://bos-fahrzeuge.info/einsatzfahrzeuge/217/Vespa_Vespacar_-_WAS_-_RTW/photo/217

Bei der Recherche ist mir dann aber noch etwas aufgefallen: Nicht nur, dass der Ort sich mit der IP-Adresse des Providers ändert – nein, es scheint auch einen ganzen Haufen verschiedener Einsatz-APIs zu geben. Allen gemein ist, dass sie mitten in der Stadt auf einer Straße aus Kopfsteinpflaster stehen und es immer zwei männliche Einsatzkräfte sind. Ich bekomme langsam einen Eindruck, wie der Prompt für diese Bilder gelautet haben muss.

Was lernen wir noch? KI kann ziemlich gut API malen – aber nur 50er. Vergleichen wir die verschiedenen Modelle doch einmal:

Die orange Ape ist die Minimalausstattung: Ohne Fenster wird es ganz schön düster für den Patienten. Es ist die einzige Bauart mit Heckklappe.

Die gelbe Variante ist schon deutlich weiterentwickelt: Es gibt noch nur einen Medizinschrank im Innenraum und sogar Klapptüren, die bis zum Boden reichen, auch die Blaulichtanlage steht großen Rettungswagen in nichts nach. A propos „groß“: Die gelbe Ape 50 steht gut im Futter und dürfte so etwas wie die Deutsche Dogge unter den Dackeln darstellen vom Format her.

TL6T

Die TL6T ist eine weitere Baureihe der „kleinen“ Ape mit 50-cm³-Motor. Sie wurde etwa von 1989 bis etwa Sommer 1995 gebaut, wobei der Motor nach wie vor mit 2-Takt-Gemisch 1:50 betankt wird. Getrennte Tanks gab es noch nicht!

Die TL6T ist eine „faro superiore“ – es ist nämlich nach wie vor nur einer, der sitzt oben an der Karosserie. Sozusagen ein Zyklop.

Ist ja klar: Eine TL5T muss natürlich nach der TL4T produziert sein. Stimmt. Aber genau dazwischen kam die TL6T. Hä? Wie jetzt? Genau: Erst gab es eine TL4T, deren Nachfolger war die TL6T. Klingt bescheuert? Ist es auch!

„Hey, Luigi haben wir nicht da vergessen die Fünf? Was ist mit Cinque?“
– „Weißt du, Mario: Is’t‘ nicht schlimm. Machen wir TL5T jetzt hinterher! Merkt keiner!“

Doch, merken wir. Wer hat sich das nur ausgedacht? Vermutlich ein Italiener, der wirkliche Name ist unbekannt und die Unterhaltung so erfunden. Aber es hätte so gewesen sein können.

Die Piaggio Ape 50 TL6T stellt eine wichtige Entwicklungsstufe der Ape dar, denn mit ihr wurde die Ape modern. Es gab jetzt etwas ganz einen Hauch von High-Tech: Halbleiter-Elektronik! Wie im Computer!


Zumindest gab es jetzt eine Transistorzündung und damit fiel der Ärger mit den Zündunterbrecherkontakten weg. Unser neuer Freund, das Elektron, kam nun in Heerscharen zur Hilfe aus einer 12-V-Batterie (statt früher 6 V) und ein elektrischer Starter wurde jetzt serienmäßig!

Die TL6T gab es wie gehabt mit kurzer Pritsche (1,2 × 1,2 m) oder als lange Pritsche in 1,2 m × 1,4 m. Die kurze gab es auch überbaut mit einem Dach als „Kasten“.

Nicht alle TL6T sind gleich. Im Vergleich zu den direkten Vorgängern wie TL3T oder TL4T zeigt die TL6T mehrere Verbesserungen, die teilweise mitten in der Produktion eingeführt wurden. Frühe TL6T übernahmen noch Teile der älteren Modelle, wie z. B. den runden (oder gar keinen) Tacho. Ja, ein Tacho war noch Sonderausstattung in der TL6T! Die ersten TL6T hatten noch die alte, einfache Lenkerverkleidung der Vorgänger.

Spätere TL6T ab ca. 1990/91 bekamen dann ein moderneres Cockpit mit eckigem Tacho serienmäßig.

Auch wurden mittendrin im Lauf der TL6T die Türen geändert, insbesondere die Fensterausschnitte. Die neueren TL6T haben eine schräge Fenster-Unterkante und sozusagen einen nach vorn gesetzten „Hofmeister-Knick„.

Was macht eine TL6T heute bei Liebhabern interessant? Sie bietet klassischen Charme mit bereits brauchbarer Technik, ohne die starke Technisierung späterer Modelle.

Car City hat eine Ape

Als meine Kinder noch viel kleiner waren, haben sie „Car City“ geschaut.

Es ist eine Animationsserie mit – zugegebenermaßen sehr einfachen – Computeranimationen von personifizierten Fahrzeugen, die in einer kleinen, weitgehend von der Umwelt abgeschlossenen Stadt ihre Abenteuer erleben. Fernsehen für die ganz Kleinen: Einfache Sprache, einfache Inhalte, schreiend bunte Farben und sehr generisch. Es gibt keinen Erzählstrang über Folgen hinweg. Für Erwachsene schwer zu ertragen und ehrlich gesagt für Kinder im Alter zwischen zwei und vier Jahren auch nicht wirklich zum ausschweifenden Konsum empfohlen.

Aber dann ist da doch etwas, das meine Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Von der Nutzung her ein typisch amerikanischer und von dortigen Eltern gefürchteter „Candy Truck“, von technischer Seite her aber interessanterweise nicht auf Basis der sonst meist in Amerika verwendeten „Step Vans“ (einer Art Kurzstrecken-Paketauto mit spezifischem Aufbau, wie wir sie in Deutschland vor allem von UPS kennen), sondern einer von uns geliebten Dreirad-Konfiguration.

Darf ich vorstellen: Carrie. Sie ist ein dreirädriges Fahrzeug mit Aufbau zum Verkauf von Süßigkeiten. Ob Carrie nun so heißt, weil sie sich um die anderen Charaktere kümmert und sie mit Süßigkeiten versorgt („to care for“) oder weil sie ein Lieferwagen ist („to carry“) – keine Ahnung. Vielleicht beides.

Die Frage ist nun: Was genau ist Carrie eigentlich?

Das nächstliegende reale Pendant zu diesem animierten dreirädrigen Süßigkeitenwagen ist höchstwahrscheinlich wirklich eine Piaggio Ape, insbesondere eine der kleinen Kastenwagen-Varianten.

Was dafür spricht:

  • Dreirädriges Layout: Die Ape hat ein einzelnes Vorderrad und zwei Hinterräder – genau wie Carrie.
  • Kompakte Bauweise: die kurze, schmale Kabine.
  • Häufig als Verkaufswagen genutzt: In der Realität dienen Piaggio-Ape-Fahrzeuge oft als Eis-, Kaffee- oder Süßigkeitenwagen.
  • Verspieltes Design: Bunt lackierte und individuell gestaltete Ape-Fahrzeuge sind sehr beliebt und passen gut zum fröhlichen, cartoonartigen Look.
  • Es gibt zahlreiche „Gelato“- oder Eiswagen-Umbauten auf Basis der Ape, die als mobile Verkaufsstände dienen, wie die am Strand von Quiberon oder die Pseudo-Pentaro in Südengland.
  • Solche Umbauten haben oft Lautsprecher, auffällige Beschriftungen und Pastellfarben – ganz ähnlich wie im Bild.

Eine Ape 50 hätte eine gerade Front mit Knick und Carrie sieht mir zu groß aus. Eine Ape mit einer vorspringenden Motorhaube kenne ich nicht, das ist wohl künstlerische Freiheit.

Eine rundliche Form würde für eine ältere Ape oder eine Classic sprechen, aber dazu passen die beiden tief angesetzten Scheinwerfer nicht. Entweder wäre es eine Pharo Basso mit einem Scheinwerfer, oder die zwei Scheinwerfer wären weiter oben.

Am ehesten glaube ich von den Scheinwerfern her an ein Ape-Car als Vorbild, dort liegen die beiden Scheinwerfer tief. Ein Apecar oder eine TM haben dagegen aber keinen Kotflügel, den Carrie aber stolz in Kontrastfarbe vor sich her trägt.

Es bleibt schwierig. Vielleicht ist es doch ein generisches Dreirad. Oder es gibt eine Sorte von altem Dreirad, die ich noch nicht kenne. Das wäre spannend.

Hinweise in den Kommentaren sind gern gesehen!

Inizio Stagione

Die Saison 2026 für Dreirad-Cabrios startet früh – nämlich heute. Ein paar nasskalte, graue Regentage haben das perfekte Setting für die Indoor-Aktivitäten gegeben.

In meinem Fall war dies die Fertigstellung meines Homeoffices. Aber sie haben auch konsequent die Salzreste von den Straßen gewaschen, was mir heute die Gelegenheit gab, die Ape-Saison im neuen Jahr zu beginnen! Und das nach einer „Winter“-Pause von nur rund drei Wochen!

Und so starte ich den Motor heute für eine kurze Winter-Bewegungsfahrt zum nächsten Baumarkt, um eine Rolle Deko-Klebefolie zu holen. Bei 11 Grad am Nachmittag brauchte es dazu weder Verdeck noch Handschuhe oder Mütze. Auf halbem Weg kam mir auch gleich ein Mercedes SL 500 mit geöffnetem Verdeck entgegen. Wie unterschiedlich Cabrios doch sein können …

Die Bewegungsfahrt nach nur kurzer Pause hat mir bisher die Mühe erspart, die Batterie der Ape laden zu müssen.

Der Berg der Entscheidung: 3. Gang oder 2. Gang – das ist hier die Frage.

Was für ein Tag: Dank der klaren Luft hat die Calessino die Steigung dieses Mal komplett im dritten Gang hinaufgeschafft. An schlechten Tagen braucht es auf den letzten Metern den zweiten Gang. Von hier oben kann man an klaren Tagen bis weit hinein ins Münsterland schauen.

Nach Überwindung des nächsten Bergrückens kamen wir gerade noch rechtzeitig vorbei, bevor der Feldweg der Wahl hinab ins Tal tierisch gesperrt werden würde: Eine lange Schafherde wälzte sich blökend einen Seitenweg heran. Fünf Minuten später und wir wären im ländlichen Stau stecken geblieben. Es wäre nicht das erste Mal gewesen.

Zurück zu Hause kamen die Kinder aufgeregt auf die Straße: Opa ist noch nicht zurück. Also beide hinten aufgesessen – der Vorteil einer Calessino – und Opas Laufstrecke abgefahren.

Kurz nach Sonnenuntergang bin ich mit dem Kleinen dann noch einmal den Berg hinauf, um zu schauen, ob wir die Schafherde finden. Eine Weile haben wir den Schafen und ihren Lämmern noch beim Blöken zugehört und sind dann wieder den Berg hinabgerollt, wobei ich gelernt habe, dass Schafe eine knatternde Ape in der Tat nicht als Bedrohung wahrzunehmen.

Alles in allem eine gelungene erste Fahrt im neuen Jahr.

Fine Stagione

Es ist später Dezember, aber gestern war ich noch mit der Ape in die Stadt zu einem Krankenhausbesuch gefahren – mit offenem Verdeck bei strahlend blauem Himmel!

Nun, es waren Temperaturen um den Gefrierpunkt, aber mit dem gefütterten Eismantel, Winterhandschuhen und einer Mütze war es eine angenehme und gemütliche Fahrt.

Trotz der serienmäßig üppig bemessenen Batterie von rund 40 Ah bemühte sich die Ape mehrere Umdrehungen redlich, den Motor auf Startgeschwindigkeit zu drehen. Hat geklappt, hat aber fühlbar Mühe gekostet. Die ersten paar Sekunden mochte der kleine Motor dann auch ein paar Millimeter Spalt in der Drosselklappe bekommen, um nicht gleich wieder auszugehen.

Nachdem die ersten Gangwechsel durch ein Getriebeöl mit der gefühlten Konsistenz von Butter geschafft waren, lief die Ape fröhlich und flott wie eh und je durch die Kälte. Die höhere Dichte der Luft erhöht theoretisch den Füllgrad des Motors. Mein Kollege mit Privatpiloten-Lizenz – ja, der mit dem „Karnickelsprit“ – sagt immer dazu, es sei „tragfähige Luft“. Bei den Flugmotoren – Konstruktionen, die wie die Ape bis auf die 50er-Jahre zurückgehen – gibt es wirklich mehr Leistung bei kalter Luft. Dazu steigen der Wirkungsgrad des Propellers und der Auftrieb der Flügel durch die höhere Dichte der Luft. Das merkt man real: Nie kommt man so schnell hoch wie an einem kalten Wintertag.

Auch heute war wieder so ein sonniger Wintertag mit stahlblauem Himmel, so dass meine Wahl sofort wieder auf die Ape fiel. Den Mantel an und die Mütze ins Gesicht gezogen sehe ich es auf der Straße glitzern: Das ist kein Raureif, sondern große Körner liegen da verstreut. Die staubtrockene Straße ist übersät von Salzkristallen der Größe ausgewachsener Ameisen. Die Schergen der Straßenmeisterei waren auf Raubzug. Sie sind sozusagen die Antagonisten des Fahrzeugherstellers. Der Sensenmann der Automobilwelt, der das Ende des Fahrzeuglebens einfordert und die Gefährte zurück in die Welt der Metallurgie holt. Alpha wie Auto, et Omega wie Ofen.

Wir alle wissen, dass italienische Fahrzeuge nicht für Streusalz gedacht sind und indisch gepresste Apen schon einmal überhaupt nicht. Die trockenen Bröckchen auf der Straße machen mir da keine rechte Angst, trocken sind sie wie Straßenstaub. Sorgen mache ich mir über den Rückweg, wenn das hygroskopische Salz Feuchtigkeit aus der Luft aufgenommen hat und plötzlich die Reifen einen nassen Salzsprühnebel von der Straße auf den Unterboden werfen – obwohl es nie geregnet hat.

Ich arbeite lange genug in der Automobil-Zulieferindustrie, um zu wissen, was ein Salzsprühnebeltest mit Dingen anstellt, die aus Metall sind.

Nein, heute bleibt Ape in der Garage. Genau genommen muss es heißen: „Ab heute bleibt die Ape in der Garage.“ Mindestens bis es ein paar Mal stark geregnet hat.

Das ist also das Ende der Saison 2025. Schauen wir, was das Jahr 2026 für die Ape bringen wird. Eines scheint dabei schon mal sicher: Es wird die größere 10.000-km-Wartung kommen mit Ölwechsel, Ventilspiel-Einstellung und Durchsicht der Fahrwerkslager. Das wird spannend.

Wasserträger

Im Radsport ist ein Wasserträger ein deutsches Wort für Domestique – ein stiller Diener, der nicht vorn im Rampenlicht steht, aber für seinen Kapitän und ein Team unverzichtbar ist. Jemand, der sich als Diener anderer aufopfert. Oft ist das jemand, der selbst in einem Rennen nicht erfolgreich sein könnte.
Trifft das nicht auf so ziemlich jede Ape zu? Ein Rennen wird man in einer Ape wohl kaum gewinnen, aber ein dienbarer Begleiter ist sie allemal.

Im „Irrland“ in Kevelaer-Twisteden habe ich nun ein Exemplar gefunden, welches im Wortsinn wie auch im übertragenen Sinn ein Wasserträger ist: Die primäre Aufgabe dieser Ape TM ist es, einen Rasensprenger zu halten!

Das Gefährt macht einen etwas verwahrlosten Eindruck. Ich bin mir nicht mal sicher, ob es überhaupt noch allein fahren kann oder ob es mit einem Traktor an seine Stelle gezogen wird. Hoffen wir das Beste und glauben, dass der Motor noch läuft und nur vorübergehend der Zündkerzenstecker abgezogen wurde, damit kein Parkbesucher auf die blöde Idee kommt, damit eine Runde zu drehen!

So wird sie jedenfalls nicht anspringen. Vielleicht ist das aber genau die Absicht.

Auf keinen Fall darf sie sich im Jahr 2025 mit dem schwarzen Nummernschild auf der Straße blicken lassen! Ob das Schild aber zwei, fünf oder 17 Jahre alt ist, das kann ich nicht genau sagen.

Fest steht: Diese TM hat schon ein gehöriges Alter aufzuweisen, denn warum sonst sollte man versuchen, Werbung zu machen mit der italienischen Aussage: „Dieses Fahrzeug hält die Schadstoffgrenzwerte Euro 1 ein.“ Die Emissionsklasse EURO 1 kam für leichte Lieferfahrzeuge erst im Oktober 1994 – und damit eineinviertel Jahre später als für Personenwagen. Es ist also davon auszugehen, dass diese Ape TM rund 30 Jahre alt sein muss.

Diese Ape erfüllt eine inzwischen völlig veraltete Abgasvorschrift.

Ihr Alter sieht man der TM an. Sie ist definitiv keine „Garage Queen“. Die Reste Ihres grünen Lackkleides tarnen Sie gut in den Hecken und Büschen des Parks. Der Schutz des Lacks schwindet. Ferrum wird so an vielen Ecken und Kanten zu Eisenoxid.

Die TM trägt Narben im Gesicht.

Und so zeigt diese TM auch eine bekannte neuralgische Stelle bei älteren APIs: die untere Fensterkante. Sie zeigt munteren Lochfraß von innen und außen, während sich rund um den Scheibenwischer Moose und Flechten die Ape als Lebensraum erobern.

Alpha et Omega: Von A we „Algen“ bis O wir „Oxid“.

Bleiben wir beim Scheibenwischer, denn hat diese TM eine weitere Auffälligkeit. Vielleicht das „Ausschweifendste“ an dieser sonst eher unscheinbaren Ape:

Ich bin nicht ganz sicher, ob für den Scheibenwischer der Ape das richtige Modell ausgewählt wurden. Immerhin wurde mal gewischt, aber es wäre auch mal wieder nötig.

Legen wir den Mantel oder eine Staubschicht über dieses Exemplar einer arbeitsamen Biene. Weit ist sie in ihrem Leben scheinbar nicht gekommen. Auch wenn die TM die schnellste aller APIs sein sollte, so ist ein Tacho bis 80 km/h wohl nur der Ausdruck des italienischen Optimismus und die südländische Lebensfreude zeigt sich an der Tachonadel, die bereits beim rostigen Stillstand rund 3 km/h vorgeht.

Ein besonders bemerkenswertes Exemplar für Liebhaber des morbiden Charmes habe ich im Irrland in Kevelaer gefunden.
Der Tache der TM hat selbst im Stillstand eine Voreilung!

Speedybee

Einer hat es getan! Irgendjemand musste es ja tun: Mit dem TukTuk eine Runde um die Nordschleife! Sie reden sogar von einem Rekord!

Moment, wer redet? Die Zeitschrift auto motor und sport berichtete darüber – und das aus erster Hand, denn schließlich hatten sie ihren eigenen Mann auf dem Fahrzeug. Leider gibt es den Bericht dazu nicht mehr, dafür berichtete aber selbst das britische „Auto Class Magazine“

Das ist das Erste, was ich mich gefragt habe: Wenn man einen „Rekord“ fahren will, wieso nimmt man dann zwei Passagiere mit? Zwei ausgewachsene Männer sind bei einem Leergewicht von 390 kg des Fahrzeugs mal ganz schnell 50 % Zuladung. Zumal beide Passagiere nicht ganz ins Gardemaß der Jockey-Klasse passen. Und die Nordschleife ist alles andere als eine flache Piste.

Die zweite Frage, die sich mir aufdrängt: Warum trägt man als Passagier einen Helm zum T-Shirt, wenn der Fahrer einen Rennanzug trägt?

Nun, mit Ihrer rekordverdächtigen Rundenzeit von knapp über einer halben Stunde ist das Tuk-tuk nur etwa dreimal so lange auf der Straße unterwegs gewesen wie ein Auto, das man als halbwegs flott bezeichnen würde.

In (fast) ganzer Länge aus verschiedenen Perspektiven kann man sich den Run auf YouTube anschauen:

Und daraus ergibt sich unweigerlich meine dritte Frage: Wäre die Calessino vielleicht schneller?

Das Tuk-tuk der Stunde war keine Piaggio Ape, sondern ein Daihatsu. Ja, ein Daihatsu mit drei Rädern. Das hat Tradition, hatten doch die ersten Automobile von Daihatsu alle drei Räder!

Das Daihatsu-Tuk-tuk hat dabei ganze 23 PS bei 390 kg. Vom Leistungsgewicht liegt die Calessino da bei etwa dem Doppelten: Rund 350 kg lassen sich von 10,2 PS anschieben!

Nein, vermutlich würde die Calessino auch ohne Beifahrer Mühe haben, hintenan zu bleiben. Ein Versuch wäre es wert, die Eifel ist in einem Tag mit der Ape erreichbar.

Aber nach einer kurzen Recherche muss ich ernüchtert feststellen, dass es zum Showdown am Ring nicht kommen wird, denn nicht erst seit der Neuregelung an der Nordschleife in dieser Saison (keine Touristenfahrten für Krafträder mehr) wäre die Ape wohl nicht auf den heiligen Asphalt gekommen, um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten, denn es gibt gleich drei Gründe, die dagegen sprechen:

Von den Touristenfahrten ausgeschlossen sind Kraftfahrzeuge,
deren eingetragene Höchstgeschwindigkeit weniger als 130 km/h beträgt, […], nicht dem fahrdynamischen Charakter eines PKW entsprechen, wie […] Trikes [und ein …] ungepolsterter Käfig.

Fahrordnung des Nürburgrings für Tourisikfahrten auf der Nordschleife

Feiner Sand

Sieben mal sieben – ist bekanntlich feiner Sand. So weit sind wir mit der Ape nicht, und keine Ape dieser Welt wird so viele Kilometer auf Ihrem Zähler darstellen können.

Immerhin hat unser Calessino auf der Rückfahrt von der Arbeit am Montag fünfmal die sieben angezeigt. In ihrem fünften Jahr ist sie nun auch schon. Im Schnitt fährt sie also keine 2000 km im Jahr!

Trotzdem schon eine kleine Leistung für ein kleines Fahrzeug mit drei Rädern und einem Zylinder. Vor allem, wenn man bedenkt, dass in dieser Zeit nichts Ernsthaftes kaputtgegangen ist!

Es war ein warmer Frühlingsabend mit weichem Abendlicht, als der Kilometerzähler auf der Rückfahrt von de Arbeit nur noch 7777,7 km anzeigte.

Eulen nach Athen fahren…

Die Welt arbeitet global verteilt, meine Arbeitsstelle ist da nicht anders. Seit vielen Jahren haben wir Kollegen in Indien. Einer dieser Kollegen kam als Impat für eineinhalb Jahre zu uns nach Deutschland. Ein netter und freundlicher Kollege, zurückhaltend und zuvorkommend. Ein angenehmer Mensch mit Manieren und Taktgefühl, die weit übertreffen, was meine deutsche Arbeitswelt im Alltag gewohnt ist.

Nach fast einem Jahr kam er uns für eine Schulung wieder besuchen. Es war, als würde man einen alten Freund wieder treffen, auch wenn es nur ein Jahr gewesen war, seit er zurück nach Indien gegangen war. Er wusste, dass ich eine Ape Calessino fahre – das, was man in Indien eine „Auto Rickshaw“ nennt. Manchmal gekürzt auch „Auto“ oder „Threewheeler“. Aber nicht etwa „Tuk-Tuk“ – dieser Begriff wird eher weiter östlich in Asien (Sri Lanka, Thailand, den Philippinen) und auf dem afrikanischen Kontinent genutzt.

Wir waren die letzten Beiden im Büro und würden das Büro gleich leer hinterlassen. Sein Hotel ist am anderen Ende der Stadt.

„How will you get to your hotel today?“, wollte ich wissen.

„I will take the bus or walk, but I will meet someone in town first.“

Ich bot ihm an, dass ich ihn absetzen könnte. Natürlich nahm er nicht sofort an:

„But isn’t that the opposite direction from your destination? I do not want to hold you up.„

Nein, kein Problem – die Calessino ist dafür gemacht, Leute irgendwohin zu bringen! Und so stiegen wir ein. Beim Ausparken bemerkte ich im Rückspiegel hinter mir ein Mobiltelefon, das unauffällig ein Foto machte. Dunkle Finger glitten akkurat über das Display. Eine Nachricht mit dem Bild flog vermutlich halb herum um die Erde.

Eine Auto Rickshaw ist ein Teil des staubigen Alltags im alltäglichen indischen Chaos, das sich Straßenverkehr nennt. Ein pragmatisches Fortbewegungsmittel, kein Lifestyle. Mein Kollege gehört zur neuen indischen Mittelschicht, er besitzt ein eigenes Familienauto. Eine Auto Rickshaw ist nichts Erstrebenswertes. Eine Fahrt als Inder in indischem Blech mit einem deutschen Chauffeur durch eine deutsche Stadt – das wiederum ist offensichtlich dann doch ein Erlebnis!