Die kleine, weiße Ape am Baumarkt

Heute war ich zum Baumarkt. Mal nicht mit der Ape, sondern mit meinem französischen Kleinfahrzeug. Draußen sind die Straßen feucht und es wurde bereits Salz gestreut. Nein, da fahre ich die Calessino nicht, wenn es nicht notwendig ist.

Als ich wieder herauskam, sehe ich eine Ape. Eine kleine, weiße 50er. Es wird gerade irgendetwas eingeladen. Ich gehe einmal halb herum, schaue: Noch die alten Pressglas-Scheinwerfer, aber zwei Stück. Also eine ZAPC vor dem Facelift auf Euro4 und damit vor dem Baujahr 2018.

„Na, jetzt noch mit der Ape unterwegs, es ist ja schon gestreut“ fange ich ein Gespräch an.

„Keine Sorge, da habe ich ordentlich vorgesorgt“ bekomme ich eine spontane Antwort und erfahre auch, womit und wie vorgesorgt wurde. Und dann entspinnt sich ein Gespräch über neuralgische Stellen der 50er, den Einsatz der Ape zum Transport, Vorbeugung von Rost.

Es stellt sich heraus, dass mein Gegenüber noch eine zweite 50er im Haushalt hat, eine ZAPC E4. Und kaum gesagt, fällt mir auf, dass ich beide Api schon mal in einem Hauseingang gesehen habe und mich gefragt habe: Wenn einer zwei solcher Gefährte hat, dann ist es bestimmt ein Fan.

Ja, ich erfahre neue Dinge über meine Ape: Nämlich, dass die ZAPC E4 andere Bremstrommeln hat als die ältere ZAPC. Nämlich die gleichen, die auch unsere Calessino 200 trägt. Und ob ich auch Probleme mit ungleichmäßigem Bremsen hätte? Ja, habe ich! Und jetzt weiß ich auch warum: Es gibt wohl eine Serie von Bremstrommeln, die nicht wirklich rund sind. Man müsste die Trommeln neu ausdrehen lassen.

Nun, ob ich das machen möchte, weiß ich noch nicht. So schlimm finde ich es nicht. Aber immerhin ist es gut zu wissen, was genau da nicht stimmt. So macht es mich nicht mehr nervös. Wissen ist Macht!

Ob ich die Ape-Schrauber bei YouTube kenne? Klar.

Ob ich auch in einem Ape-Forum bin? Klar.

Ich bekomme noch eine Empfehlung für die Hauptuntersuchung von Fahrzeugen (wovon die 50er-Ape ja nicht betroffen ist).

Was ist das Resümee für mich aus dieser Begegnung? Nun, es sind mehrere:

  1. Die Gruppe der Ape-Fahrer ist klein. So klein, dass man sich schnell kennt und fast alle sich auf den gleichen Internet-Medien tummeln.
  2. Die Gruppe der Ape-Fahrer scheint eine Gemeinsaft netter und hilfsbereiter Menschen zu sein.
  3. Alle Ape-Fahrer haben irgendwie Angst vor Rost und Streusalz!

Und wer sich jetzt noch fragt, wie das mit den ganzen Modellen der Ape ist – für den haben die oben erwähnten Ape-Schrauber eine ganz anschauliche aber unübersichtliche Aufstellung vorbereitet. Am unübersichtlichen Teil ist allerdings Piaggio selbst schuld! Doch seht selbst:

Steuerungeheuer

Es ist ein Jahr herum mit unserer dunkelblauen Ape! Man merkt es daran, dass plötzlich Geld vom Konto abgebucht werden: Steuer und Versicherung sind fällig!

Die Frage ist: Was kostet der Betrieb einer Calessino 200? Oder eher anders gefragt: Was kostet der Nicht-Betrieb – Die Fixkosten. Also die reinen Kosten des Besitzes.

Die Steuern sind festgesetzt mit 42 € – kein Verhandlungsspielraum. Ich finde das verhältnismäßig viel: Das sind immerhin 21 €/100 ccm, wenn man bedenkt, dass die Calessino 200 sogar Euro 4 klassifiziert ist!

Im Vergleich dazu kostet unser Renault Clio 3 gerade einmal 62 € im Jahr. Das ist nur etwa die Hälfte mehr – dafür aber hat man ein „richtiges“ Auto für bis zu fünf Personen, dass die Straßen im Vergleich zur Ape mit vier Rädern und einem etwa dreifachen Gewicht und der doppelten Verkehsfläche belastet. Es hat fast den sechsfachen Hubraum und die siebeinhalbfache Leistung!

Aber warum ist die Ape relativ gesehen so teuer im Vergleich zu einem Auto? Man könnte meinen, dass es am CO2-Anteil liegen könnte, der seit der Steuerreform 2009 in die Berechnung der Kfz-Steuer eingeht. Aber technisch gesehen hängt die CO2-Emission direkt am Treibstoffverbrauch (und der Treibstoff-Sorte). Renault Clio und Ape Calessino verbrennen den gleichen Super-Kraftstoff. Und während der Clio bei uns im mehrjährigen Mittel 6,15 l/100 km verbraucht, begnügt sich die Calessino mit 4,20 l/100 km. Klarer Vorteil für die Ape, sollte man meinen…

Also ist es vielleicht doch wegen der Emissionsklasse? Das kann eigentlich nicht sein, denn beide Fahrzeuge gehören in die Euro 4, und schließlich soll die Besteuerung von dreirädrigen Kraftfahrzeugen ja schließlich nach Hubraum „und Schadstoffemissionen“ bemessen. Das steht ja so im Kraftfahrzeugsteuergesetz:

Die Steuer bemisst sich

[…]

1b. bei dreirädrigen und leichten vierrädrigen Kraftfahrzeugen mit Hubkolbenmotoren, die unter den Anwendungsbereich der Richtlinie 97/24/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Juni 1997 über bestimmte Bauteile und Merkmale von zweirädrigen oder dreirädrigen Kraftfahrzeugen (ABl. L 226 vom 18.8.1997, S. 1, L 65 vom 5.3.1998, S. 35, L 244 vom 3.9.1998, S. 20, L 67 vom 11.3.2008, S. 22), die zuletzt durch die Richtlinie 2009/108/EG der Kommission vom 17. August 2009 (ABl. L 213 vom 18.8.2009, S. 10) geändert worden ist, in der jeweils geltenden Fassung fallen, nach dem Hubraum und den Schadstoffemissionen

Kraftfahrzeugsteuergesetz / § 8 Bemessungsgrundlage

Und hier ist jetzt der Trick: Es sollte eigentlich so sein, wird aber nicht so gemacht! Da der Staat leider kein Herz für kleine, knatternde Apen hat, unterschlägt er ganz einfach und schnell unseren ungeregelten Katalysator in der Ape, Ihre elektronische Einspritzung und damit Ihre „Euro 4“-Einstufung. Noch mehr: Er unterschlägt sogar noch mehr den geringen Kraftstoffverbrauch und damit die geringe CO2-Belastung! Denn egal, welches Dreirad man fährt: Man bezahlt einfach immer den Maximalbetrag von 21 €/100 ccm! Ja, genau: Die qualmende und stinkende Ape MP mit dem Zweitakter ist hier gleichgestellt und bezahlt das Gleiche! Und das nur, weil unsere Staatslenker nach dem Abschnitt 1a Mittagspause hatten und daher vergessen haben sich zu überlegen, wie sie den festgelegten Einfluss der Schadstoffemissionen denn nun handhaben wollten.

Schade, und ein wenig ärgerlich, finde ich. Denn das ist doch das falsche Zeichen in dieser Zeit, kleine, leichte und emissionsarme Fahrzeuge zu benachteiligen. Der schwache Trost bleibt, dass es mit 42 € absolut gesehen ein geringer Schaden bleibt. Dazu das Glücksgefühl, dass man ja noch gut davon gekommen sei, wo es andere Menschen doch viel schlimmer trifft. So wie den Fahrer eins Trikes, der nach der Steuerreform nun für ein und dasselbe Trike in der Euro 2 nicht mehr 117 €, sondern mit 337 € gleich fast das Dreifache an Steuern bezahlt!

Der Blick auf die Versicherung stimmt mich fröhlicher: Natürlich bin ich nach einem Jahr unfallfreien Fahrens auf drei Rädern in meiner Schadenfreiheitsklasse von 100% auf 85 % gesunken. Damit fällt der Beitrag für die Versicherung in diesem Jahr mit 28,88 € unter die 30er Marke, die ich letztes Jahr noch überschritten habe!

Und wieder tröstet das Leid der Anderen: Bei meiner Versicherung habe ich aus Spaß einmal nach dem Preis für ein Versicherungskennzeichen geschaut. Dort heißt es:

Leichte Quads und Trikes (z. B. Ape) mit einem Hubraum von maximal 50 ccm und einer Höchstgeschwindigkeit von maximal 45 km/h – schon ab 34 €* pro Jahr.

https://www.huk.de/fahrzeuge/kfz-versicherung/mopedversicherung.html

Da steht es nun schwarz auf weiß: Unsere Ape Calessino 200 hat zwar die dreifache „Kraft“ der Ape 50 und fährt immerhin schnell genug, das man rein rechtlich auf die Autobahn damit darf – aber sie ist immer noch billiger zu versichern, als die kleine Ape 50!

Alles in allem reden wir hier nicht von viel Geld: Die Fixkosten für unsere Calessino liegen derzeit bei < 6 € pro Monat. Das ist uns der Spaß alle mal wert!