AI, AI, AI – was ist denn das?

Seit einiger Zeit überschwemmt die aufstrebende künstliche Intelligenz uns und das Internet mit jeder Menge Schwachsinn. Besonders die Werbeflächen rund um alle möglichen Webseiten sind voll mit KI-generierten Werbebildern, die alle genau eine Sache gemeinsam zu haben scheinen: An das „Künstliche“ mag man gern glauben, aber an der „Intelligenz“ mag man zweifeln.

Da ist der Müllwagen, der einen ganzen Haufen Solarmodule abfährt, die alle wie durch Geisterhand von allen Seiten auf dem LKW kleben, ohne herunterzufallen. Die Solarbranche scheint besonders verliebt in schlechte Automatik-Werbebildchen zu sein: Der Haufen aus Solarmodulen mitten auf der Kreuzung in der Großstadt? Klar, dort wird immer der Müll hingekippt. Der Solar-Monteur, der Module im Dachboden auf dem Boden gefühlvoll zusammensetzt (um gleich festzustellen, dass sie in der Gänze nicht durchs Dachfenster nach draußen passen?

Haben wir alles schon gesehen. Tankwagen mit Heizöl, auf denen in großen Lettern „Heizöl“ steht? Klar. Wärmepumpen mit Rohren, die willkürlich aus dem Gerät heraus und herein führen – was tun die eigentlich?

Doch eine Ape, die habe ich bisher noch nie gesehen. Bis gestern! Die Ape 50 ist wirklich unglaublich original getroffen, aber die Szene wirft Fragen auf: Wer kennt sie nicht, die allgegenwärtige Rettungswagen-Ape mit Zweitakt-Motor? Knapp über Schrittgeschwindigkeit bringt sie hilfsbedürftigen Patienten zuverlässig ins Krankenhaus, nachdem sie vom brachialen Pfleger zweimal zusammengefaltet wurden, damit sie in den Aufbau passen!

Oder wird der Patient vielleicht doch lang liegend bis vorn durchgeladen? Ich habe mal so ähnliche Konzepte als 50er-Wohnmobil gesehen! Aber die meisten Wohnmobile werden nach hinten ausgezogen. Vielleicht ist das hier auch so, und die Beine vom Patienten gucken einfach hinten raus? Das würde erklären, warum die Hecktüren vom Aufbau nicht bis zur Ladekante hinunterreichen. Aber Achtung: Ragt das Bein mehr als einen Meter raus, muss nach StVO ein rotes Fähnchen an die große Zehe geknotet werden!

Aber wo sitzt dann der Fahrer? Und das zweite Besatzungsmitglied? Sitzt der mit vorn (das wird echt kuschelig, da kenne ich echt nur Laura und Louis von YouTube, die es länger zu zweit vorn in der Ape aushalten). Vielleicht sitzt der Pfleger aber auch einfach oben auf dem Dach.

Einen Ape-Krankenwagen gibt es übrigens auch ganz real. Dabei meine ich nicht etwa einen weiteren Aprilscherz des Roten Kreuzes (wobei die 50er-Ape wohl wirklich gibt, nur nicht als Rettungsfahrzeug)

Nein, es gehtum eine Ape mit „richtigem“ Rettungsaufbau. Wobei auch dieses kein echtes Einsatzfahrzeug ist, sondern eher eine Art Konzeptdemonstrator auf Basis eines größeren Apecar:

https://bos-fahrzeuge.info/einsatzfahrzeuge/217/Vespa_Vespacar_-_WAS_-_RTW/photo/217

Bei der Recherche ist mir dann aber noch etwas aufgefallen: Nicht nur, dass der Ort sich mit der IP-Adresse des Providers ändert – nein, es scheint auch einen ganzen Haufen verschiedener Einsatz-APIs zu geben. Allen gemein ist, dass sie mitten in der Stadt auf einer Straße aus Kopfsteinpflaster stehen und es immer zwei männliche Einsatzkräfte sind. Ich bekomme langsam einen Eindruck, wie der Prompt für diese Bilder gelautet haben muss.

Was lernen wir noch? KI kann ziemlich gut API malen – aber nur 50er. Vergleichen wir die verschiedenen Modelle doch einmal:

Die orange Ape ist die Minimalausstattung: Ohne Fenster wird es ganz schön düster für den Patienten. Es ist die einzige Bauart mit Heckklappe.

Die gelbe Variante ist schon deutlich weiterentwickelt: Es gibt noch nur einen Medizinschrank im Innenraum und sogar Klapptüren, die bis zum Boden reichen, auch die Blaulichtanlage steht großen Rettungswagen in nichts nach. A propos „groß“: Die gelbe Ape 50 steht gut im Futter und dürfte so etwas wie die Deutsche Dogge unter den Dackeln darstellen vom Format her.

Die traurige, schwarze Ape

Der letzte und der erste Tag des Jahres sind traditionell Geocaching-Tage. Wir waren dazu im Norden von Dortmund unterwegs. Auf dem Weg fällt mir ein, dass wir noch keine Berliner haben – und durch Zufall kommen wir gerade an einer Bäckerei vorbei. Und davor steht eine kleine, schwarze Ape 50 ZAPC mit den alten Pressglas-Lampen.

Kurz bevor die Bäckerei die Türen schließt, bekomme ich noch das letzte Paar Berliner. Das macht mich froh – aber als ich mit der Beute aus der Tür komme, macht mich die Ape wieder ein Stück traurig – beim Blick auf den Tacho: Sie hat knapp 71 km darauf stehen!

Wie so viele Ihrer Leidensgenossinnen hat sie jemand gekauft, ihr ein Nummernschild montiert und sie irgendwo in der Stadt aufgestellt. Vielleicht hat sie alle paar Wochen mal den Standort gewechselt. Vielleicht auch noch nicht einmal das.

Still steht sie da, nur die Sturmböen zerren am Plakat, das man ihr aufgezwungen hat. Nichts, was sonst Ihre Federn bewegt. Sie ist nun schon mindestens 4 Jahre alt, vermutlich deutlich mehr: Das Plastik Ihrer Kotflügel ist ausgebleicht, ihre Reifen werden hart und porös, noch bevor sie sich abnutzen.

In Pontedera hat man Ihr drei Räder und einen Motor gegeben, auf dass Sie durch die Welt knattern und dienlich sein möge. Wäre der Wind nicht so stark, könnte man sie vielleicht leise rufen hören: „Fahr mit mir!“ Tank mich mit frischem Sprit und ich fahre Dich hin, wo immer Du hin willst. „Zeige mir die Stadt da draußen – oder die Welt, falls Du zufällig sehr viel Zeit und Geduld hast.„

Jawohl, diese Ape ist Verschwendung! An Geld, an Material, an Platz und an Zeit. Diese Ape ist ein Verrat an der Idee des minimalistischen Individualverkehrs!

Man hätte sie durch eine Plakatwand ersetzen und stattdessen einen mobilitätsbedürftigen Menschen mit einer Ape glücklich machen können!

Da steht sie nun und wackelt im Wind.